Wenn es zu viel zu sagen gibt
3 stars
Content warning Achtung: tlw. werden Inhalte der Geschichte erwähnt!
Baker's Buch möchte so viel gleichzeitig und verliert sich darüber leider ein wenig. Wäre ich ihre Lektorin gewesen, ich hätte ihr geraten, drei Bücher statt nur einem zu schreiben. Das Buch hat drei Handlungsstränge, die zwar irgendwie zusammenlaufen, irgendwie auch parallel laufen es aber nie richtig schaffen richtig zusammen zu kommen!
Strang: Der Tod der Halbschwester und ein Geist der Cora Zeng folgt. Die Geistergeschichte umfasst den Versuch den Geist zu vertreiben bzw. den Hunger des Geistes zu stillen. Hierbei werden einige chinesische Mythen bemüht, bleiben jedoch Randbemerkungen. Was mir hier gefehlt hat ist, dass in keinster Weise der Eindruck entsteht, dass dieser Geist wirklich böse ist. Mir fehlte die Spannung, die Angst, der Horror der mit dem Untertitel "Ein Gothic-Roman" fast schon versprochen wurde. Letztendlich fragte ich mich, wieso dieser Geist eigentlich weg muss?
Strang: Covid-19. Die Geschichte spielt mitten in der Pandemie, genauer im Herbst 2020. Die Protagonistin fällt vor allem dadurch auf, dass sie Phobien vor Viren, Dreck und Berührungen entwickelt hat. Jedoch gibt es auch Andeutungen, dass sie das bereits vorher besaß. Demnach bildet auch Corona eine Randbemerkung, die aber die Rahmenhandlung sein soll. Leider misslungen.
Identität und Rassismus: Was Baker in der Geschichte wirklich gut gelungen ist, ist den Hass auf Menschen asiatischer Herkunft während der Corona Pandemie darzustellen. Der Tod der Halbschwester ist von Anfang an als rassistische Tat erkennbar und auch die weiteren Morde in der Geschichte sind deutlich rassistisch motiviert. Auch spielt Baker viel mit der Zerrissenheit von Cora Zeng, mit einer amerikanischen Tante die sie zum christlichen Glauben bringen will und der chinesischen Tante, die extra langsam Mandarin mit ihr spricht, weil Cora diese Sprache nie komplett beherrschte und auch kaum Kantonesisch sprechen kann. Nur dem dritte Erzählstrang gelingt es, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere zu verstehen, mit ihnen zu fühlen oder sie abzustoßen. Da dieser Erzählstrang auch der einzige ist, der sich konsequent durch die gesamte Geschichte zieht war es mir möglich, das Buch überhaupt zu beenden. Für mich hatte Baker ganz viele tolle Ideen und es wäre genial, wenn sie diese aufgreifen und vertiefen würde, in eigenen Geschichten.